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Samstag, 18. September 2010

Arduino LilyPad



Dass "wearable Computing" keine techniklastige Sache sein muss, mit der sich bestenfalls Computernerds beschäftigen, hat mir Philip Steffan im betahaus Berlin demonstriert. Arduino LilyPad ist ein modular kombinierbares Set von elektronischen Komponenten, die sich spielend mit Nadel und Zwirn verarbeiten lassen. Der Realisierung deiner interaktiven Modeideen steht also nichts mehr im Wege!

Montag, 16. August 2010

Open Source Design Camp


OPENSIMSIM MEETS OPEN DESIGN CITY from opensimsim.net on Vimeo.

Der Bedeutung von Interfaces wird im Produktionsprozess bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nicht selten werden sie einfach nebenher "mitprogrammiert" und sind dadurch nicht nutzungsgerecht und spröde.

Unter dem Titel "OpenSimSim meets OpenDesignCity" hat am 15. August ein Open Source Design Camp im Betahaus Berlin stattgefunden. Intention dieses Zusammentreffens, zu dem der Architekt Daniel Dendra (anotherarchitect's blog) eingeladen hatte, war die umgekehrte Herangehensweise: Interfaces nicht von technischer Seite her zu denken, sondern ausgehend von uns Menschen und den Dingen, die wir alltäglich in unseren Händen halten. In einem Brainstorming wurden erstmal bereits existierende Ideen gesammelt. Da war die Rede von…

…der Oma, die beim Staubwischen den digitalen Bilderrahmen hochhebt und automatisch die aktuellen Fotos ihres Nachwuchses von der Community Plattform eingespielt bekommt.

…von der Kreditkarte, die immer dicker wird, je mehr Geld auf meinem Konto ist (Achtung, Protzpotential ;-)

Auch der intelligente Kühlschrank, Paradebeispiel Anfang dieses Jahrzehnts für die "Welt von morgen", kam ins Gespräch. Er hat daszugelernt! Er ist nicht mehr nur intelligent, weil er merkt, welche Nahrungsmittel zur Neige gehen und diese automatisch nachbestellt. Er ist inzwischen auch nachhaltig und sozial: Rechtzeitig vor Verfallsdatum meiner Lebensmittel lädt er nämlich meine Freunde zum Essen ein. Natürlich nicht ohne vorher passende Essensvorlieben und terminliche Verfügbarkeit abgeglichen zu haben.

Ein sehr frühes Projekt, das die Idee eines social Interface nicht treffender auf den Punkt gebracht haben könnte, ist übrigens "Free Hugs" (freie Umarmungen) vom Australier Juan Mann.

In einem weiteren Schritt wurden in unserer Runde eigene Ideen von social Interfaces entworfen. Aufhänger waren mitgebrachte Haushaltsgegenstände, die man nicht mehr benötigt, jedoch nicht wegwerfen, sondern einer weiteren Nutzung zuführen möchte.

Im Gespräch waren Erlebniskontext bezogenes Lernen, verbesserte Nachhaltigkeits-Strategien durch direkten Vergleich ökologischen Handelns in der Community oder wie Blumen nicht nur schön, sondern auch sozial sein können.

Die Ideen dieses inspirierenden Zusammentreffens wurden per Videostatements im anotherarchitect's blog gesammelt und sind in obiger Videodokumentation (Projektbestandteil der diesjährigen Biennale in Venedig) zu sehen.

Donnerstag, 8. Juli 2010

Generationenwechsel


SLIDESHOW ZEIGEN

Als Kind der digitalen Revolution war ich selbst mit dabei, als man in den 80er Jahren anfing die Welt in den Computer zu bringen. Es war eine virtuelle Parallelwelt - fantastisch, aber ohne direkten Bezug zur physischen Realität. Der Preis: soziale Isolation, Entmaterialisierung und körperliche Monokultur.

In einer Lecture der damaligen Zeit habe ich dies folgendermaßen kommentiert: „30 x 25 cm ist das Format meiner Spielwiese. Das ist die Größe eines Mauspads. Rechnen Sie sich aus, wie viele Kilometer Sie im Laufe eines Projekts so von hand abarbeiten - eine sportliche Höchstleistung.“

Es ist nur allzu nachvollziehbar, dass die nachfolgende Generation der "digital Natives", die in dieser virtuellen Parallelwelt aufgewachsen ist, nun wieder den Weg zurück in die physische Welt mit ihren sinnlichen Qualitäten sucht - allerdings versehen mit den Vorzügen einer digital vernetzten Realität.

Open Design City steht für diese neue Kultur. Sie sucht den Brückenschlag zwischen digitaler Virtualität und physischer Realität über handwerkliche Kreativität und Forschung, das sog. "bausteln". Die Wortkombination aus basteln und bauen ist Programm:

"Open Design is design for the commons. Products that people are free to make, adapt, modify and build upon. The barriers to entry and access should be minimal. Open design products by their nature should be delivered in beta, perceived not as complete but continuously evolving, in dialogue with the user and the world", heisst es auf der betahaus Hamburg Website.

"The guideline for Open Design City is one word.

Share

Share yourself
Share your tools
Share your time
Share your ideas"

Ein nächste Gelegenheit das betahaus in Berlin Kreuzberg ganz real kennenzulernen ist der "open design city market" am 24 07 10 von 14 - 19h.

Mittwoch, 7. Juli 2010

Atoms & Bits



zorah mari bauer | mobile art spricht mit Christopher Doering auf der Tagung NMI - Neue Medien der Informationsgesellschaft über die Open Design City. Auszüge aus dem Interview:

ZMB:
Was ist Open Design City?


Christopher Doering:
Jeder Einzelne von uns, der sich für diese Idee begeistert, hat andere Vorstellungen davon, was eigentlich der Sinn und Zweck ist. Meine Motivation ist vor allem, Menschen in die Welt des Materials und in die Welt der Anfassbarkeit zu bringen, die normalerweise Hemmschwellen haben.

ZMB:
Du sprichst also von den Digital Natives, die damit aufgewachsen sind vorm Computer zu sitzen. In meiner Generation war es umgekehrt. Wir waren Zeugen und Mitwirkende, als es darum ging die Welt in den Computer zu bringen. Allerdings war es eine Parallelwelt. Und in dieser Parallelwelt seid ihr aufgewachsen…


Christopher Doering:
Ja, genau (lacht). Diese digitale Welt braucht eine anfassbare, haptische Komponente.

ZMB:
Warum?


Christopher Doering:
Weil ich das als Bedürfnis empfinde. Mich persönlich macht das wahnsinnig, wenn ich zu lange am Computer sitze. Ich würde eigentlich gerne wieder mehr mit meinen Händen machen. Ich habe Produktdesign studiert und hatte im Studium natürlich Zugang zu Werkstätten. Aber trotzdem hatte sich der Designprozess doch sehr in die digitale Welt verlagert. Das ist nicht immer gut, das ist auch nicht immer fürs Ergebnis gut.

ZMB:
Welche Spuren soll das FabLab in fünf und in 30 Jahren hinterlassen haben?


Christopher Doering:
In fünf Jahren wäre es schön, wenn ein Netzwerk daraus gewachsen wäre das funktioniert, dass also ein Austausch da ist und man voneinander gelernt hat. Im Moment gibt es viele einzelne Initiativen, die alle unterschiedliche Schwerpunkte haben und unterschiedliche Vorstellungen und Zielsetzungen. Ich glaube, wir machen alle ganz oft die gleichen Fehler oder arbeiten an den gleichen Problemen. Ein offenerer Umgang damit würde den Prozess einfacher, schneller und unterhaltsamer machen. Das ist so meine Sache, ein mittelfristiges Ziel.

Langfristig sehe ich einen kulturellen Wandel, weg von der industriellen Produktion und hin zu einer lokal angepassten, nachhaltigen Produktionsweise und einem experimentellen Umgang mit neuen Technologien und Materialien.

ZMB:
Woran machst du diesen Wandel fest?


Christopher Doering:
Diesen Wandel kann man im Moment an einem Aufleben von Handwerk und selber Machen sehen und an den Menschen, die Workshops besuchen und basteln und bauen.

Linktipps:

Ars Electronica 2009: Rezension von Zorah Mari Bauer über Katharina Mischers und Thomas Traxlers künstlerisches Projekt „the idea of a tree“ und die Idee einer „lokalisierten Industrialität”

Atoms & Bits 2009 - Festival of Thinking, Making, Doing

Generationenwechsel - Kinder der digitalen Revolution und digital Natives