Sonntag, 15. Juli 2012

Ars Electronica in Berlin



Eine halbvolle Glasschüssel mit einer Puppe vor sich herzutragen, dürfte eigentlich kein Problem sein, es sei denn, die Utensilien sind Teil von "Save yourself!!!" (2007), einem Artproject des japanischen Künstlers Junji Watanabe. Schwankt die Puppe in der Glasschale, so wird diese Information mittels Technik auf den Gleichgewichtssinn des Trägers übertragen. Der schwankt nun auch.



Heutzutage lässt sich der Nutzer eines Navigationsgerätes noch old fashioned per Visualisierung und Stimmführung an sein Ziel lotsen. Der Schweizer Künstler Martin Frey bietet eine ganz neue Navigationserfahrung. Seine "CabBoots" (2006) lenken den Fußgänger intuitiv zum Ziel, indem sich die Sohlen jeweils in die entsprechende Richtung neigen. Kein lästiges Hantieren mehr mit dem Navi. Künftig kann man per pedes Eis essen und Händchen halten zugleich ;-)



So nah und doch so fern! So ließe sich die Idee der "Inter-Discommunication Machine" (1993) von Kazuhiko Hachiya auf den Punkt bringen. Jeweils zwei Mitspieler agieren miteinander. Beide tragen ein Equipment, das sie per Videokamera und Headset-Monitoren mit Sicht und Geräuschwahrnehmung des Teampartners ausstattet. Sie sollen zueinander kommen, doch nicht selten stehen die beiden Agenten in Reichweite und finden sich trotzdem nicht. Welche Herausforderung, dieser Tausch der Sinne, der partielle Identitätswechsel zwischen ich und Du!



"Viel Lärm um nichts", könnte man die Installation "Tipp-Kick" des amerikanischen Künstlers Joseph Herscher mißverstehen. Mit großem Aufwand werden Gegenstände nach dem Prinzip "Impuls und Bewegung" miteinander zu einer komplizierten Kettenreaktion verknüpft, um letztendlich eine möglichst triviale Aufgabe zu erledigen: In diesem Fall schlägt ein Plastikhammer einer Kickerfigur auf den Kopf (eigentlich auf einen Knopf auf dem Kopf). Das setzt den Fuß des Tipp-Kickers in Bewegung und der kickt den Ball.



Die Parcour Künstler von "Democracia" (ES) scheinen die Gesetze der Schwerkraft ausser Kraft zu setzen. Mauern, Säulen, Häuserkluften überwinden sie scheinbar mühelos. Kein Hindernis ist zu groß, um nicht direttissimo ans Ziel zu gelangen. Wieviele Knochenbrüche nötig sind, um so weit zu kommen, wurde allerdings nicht dokumentiert ;-)



"The Tenth Sentiment" des japaninschen Künstlers Ryota Kuwakubo ist ein Spiel mit Licht und Schatten. Ein Salatsieb, eine Handvoll angespitzter Bleistifte, zwei Papierkörbe mit Gitterprägung… Alltägliche Utensilien säumen die Schienen einer Miniatureisenbahn. Eine Spielzeuglok wirft ihr Scheinwerferlicht voraus und zaubert atemberaubend poetische Schattenwelten an Wand.

Alle Exponate sind Teil der Ausstellung
ARS ELECTRONICA „Impuls und Bewegung“
12. Juli bis 16. September 2012
Volkswagen Automobil Forum
Unter den Linden 21, 10117 Berlin
Mo bis So von 10.00 - 20.00 Uhr
Eintritt frei

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