Mittwoch, 7. Juli 2010

Atoms & Bits



zorah mari bauer | mobile art spricht mit Christopher Doering auf der Tagung NMI - Neue Medien der Informationsgesellschaft über die Open Design City. Auszüge aus dem Interview:

ZMB:
Was ist Open Design City?


Christopher Doering:
Jeder Einzelne von uns, der sich für diese Idee begeistert, hat andere Vorstellungen davon, was eigentlich der Sinn und Zweck ist. Meine Motivation ist vor allem, Menschen in die Welt des Materials und in die Welt der Anfassbarkeit zu bringen, die normalerweise Hemmschwellen haben.

ZMB:
Du sprichst also von den Digital Natives, die damit aufgewachsen sind vorm Computer zu sitzen. In meiner Generation war es umgekehrt. Wir waren Zeugen und Mitwirkende, als es darum ging die Welt in den Computer zu bringen. Allerdings war es eine Parallelwelt. Und in dieser Parallelwelt seid ihr aufgewachsen…


Christopher Doering:
Ja, genau (lacht). Diese digitale Welt braucht eine anfassbare, haptische Komponente.

ZMB:
Warum?


Christopher Doering:
Weil ich das als Bedürfnis empfinde. Mich persönlich macht das wahnsinnig, wenn ich zu lange am Computer sitze. Ich würde eigentlich gerne wieder mehr mit meinen Händen machen. Ich habe Produktdesign studiert und hatte im Studium natürlich Zugang zu Werkstätten. Aber trotzdem hatte sich der Designprozess doch sehr in die digitale Welt verlagert. Das ist nicht immer gut, das ist auch nicht immer fürs Ergebnis gut.

ZMB:
Welche Spuren soll das FabLab in fünf und in 30 Jahren hinterlassen haben?


Christopher Doering:
In fünf Jahren wäre es schön, wenn ein Netzwerk daraus gewachsen wäre das funktioniert, dass also ein Austausch da ist und man voneinander gelernt hat. Im Moment gibt es viele einzelne Initiativen, die alle unterschiedliche Schwerpunkte haben und unterschiedliche Vorstellungen und Zielsetzungen. Ich glaube, wir machen alle ganz oft die gleichen Fehler oder arbeiten an den gleichen Problemen. Ein offenerer Umgang damit würde den Prozess einfacher, schneller und unterhaltsamer machen. Das ist so meine Sache, ein mittelfristiges Ziel.

Langfristig sehe ich einen kulturellen Wandel, weg von der industriellen Produktion und hin zu einer lokal angepassten, nachhaltigen Produktionsweise und einem experimentellen Umgang mit neuen Technologien und Materialien.

ZMB:
Woran machst du diesen Wandel fest?


Christopher Doering:
Diesen Wandel kann man im Moment an einem Aufleben von Handwerk und selber Machen sehen und an den Menschen, die Workshops besuchen und basteln und bauen.

Linktipps:

Ars Electronica 2009: Rezension von Zorah Mari Bauer über Katharina Mischers und Thomas Traxlers künstlerisches Projekt „the idea of a tree“ und die Idee einer „lokalisierten Industrialität”

Atoms & Bits 2009 - Festival of Thinking, Making, Doing

Generationenwechsel - Kinder der digitalen Revolution und digital Natives

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